Musiktheorie - Ton, Klang, Geräusch

Fionn:

Im Teil "Grundlagen des Hörens" habe ich erklärt, wie das Hören physikalisch vor sich geht; auch habe ich angedeutet, daß die Wahrnehmung von Schallwellen als "Musik" Sache des Gehirns ist. Wie das funktioniert, ist zur Zeit noch größtenteils ein Geheimnis. Deswegen nimm bitte einige der Erklärungen einfach als Fakten, als gegeben, als nicht hinterfragbar hin.

Vorab ein paar Definitionen: sie betreffen Ton, Klang und Geräusch. Alle drei sind, das ist klar, eine Gemisch aus Schallwellen. Aber jeder der drei hat eine andere Qualität, einen anderen Ausdruck. Ich erkläre sie im Folgenden kurz:

Ton:
Bei einem Ton ist im Gemisch der Schallwellen eine einzige Frequenz dominant; alle anderen Frequenzen treten in der Wahrnehmung ihr gegenüber zurück. Zupfe zum Beispiel das Mittel-C Deiner Harfe an ( die Rote Saite in der Mitte ) : Du hörst einen einzigen Ton, eben das "C". Zwar nimmt Dein Ohr auch viele weitere Frequenzen ( "Obertöne" ) entgegen, aber sie werden vom Gehirn nur als "Tonfarben" wahrgenommen. Wenn Du ein paar andere Musiker kennst, setzt Dich mit ihnen zusammen und höre Dir mal bewußt an, wie ein "C" auf jedem der von ihnen gespielten Instrumente ( Blockflöte, Altflöte, Klarinette, Klavier, Viola, Kontrabaß, Celesta ) klingt. Allein schon verschiedene Harfen erzeugen unerschiedliche Tonfarben, wie Du am Beispiel meiner Harfen Schätzchen, Lizzy und Inanna hören kannst. Alle drei Klänge hintereinander gibt es hier.
Der einfachste Ton ist übrigens ein Sinus-Ton; ich habe das "C" hier mal von meinem Linux-Rechner erzeugen lassen. ( Hörprobe )

Klang:
Bei einem Klang erklingen mehrere Töne gleichzeitig. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Du mit der Harfe linke und rechte Hand zusammen spielen läßt, wenn im Streichquintett die Violinen und die erste Viola zusammen das Thema vorgeben oder wenn mehrere Menschen zusammen singen. Hier unterscheidet Dein Gehirn deutlich mehrere Einzeltöne; sie werden nicht mehr als "Tonfarben" interpretiert, sondern sind eigenständig. Eine geschulte Musikerin kann in einem solchen Klang die einzelnen Töne genau heraushören und benennen.

In der folgenden Grafik siehst Du in der Mitte die Schwingungen eines Sinus-Tones mit 440 Hz, eben unserem Kammer-A. Oben ist ein "C" mit 528 Hz notiert und ganz unten der durch Interferenz entstandene Klang.

Wichtig scheint mir, daß "Klang" und "Wohlklang" nicht synonym sind; auch dissonante Klänge sind "Klänge!"

Geräusch:
Hier macht das Ohr keine Frequenz als dominant aus: kein Ton "spielt die erste Geige"; die Frequenzen sind wahllos über das Spektrum verstreut. Ein Geräusch entsteht zum Beispiel, wenn ein Teller nach freiem Fall den Boden trifft und dort zerbricht. 

Es fiel jemand vom Dach.

Er fiel wohl ziemlich lang.

Beim Aufprall war er flach,

Und scheußlich war der Klang.