Musiktheorie - Metrik - Einführung

Fionn:

Immer schon hat der Mensch versucht, die gleichmäßig verfließende Zeit dadurch begreifen zu können, indem er sie ein regelmäßige Abschnitte einteilte - Jahre bestimmten Aussaat und Ernte, Mondumläufe teilen das Jahr in Jahreszeiten, Tage regeln Wachen und Schlafen. Kleinere Einheiten wie Stunden und Minuten sind eher willkürlich. Welche Bedeutung hat schon eine Sekunde ( zeitmäßig, nicht das Intervall!! ) ?
Es gibt aber eine jedem vertraute Einheit, mit der wir kleine Zeiteinheiten messen können - unseren Pulsschlag. Wenn wir ruhig sitzen, schlägt unser Herz etwa 80 mal pro Minute. Beim Schlaf sinkt die Frequenz auf 60 Schläge pro Minute, bei Arbeit, Sport oder Sex kommen auch schon mal 150 Schläge pro Minute vor. Wir verbinden also mit der Schnelligkeit, mit der unser Herz schlägt, unbewußt bestimmte Gefühlszustände - langsam ist eben "ruhig", schneller ist "bewegt", sehr schnell ist "rasend" oder "aufgeregt". ( Was sich im übrigen in den Bezeichnungen für die Geschwindigkeit der Musik niederschlägt: Andante - gehend; Presto - sehr schnell; Largo - langsam ).
Hören wir Musik, so suchen wir uns die schnellste, gleichmäßige Aufeinanderfolge von Tönen heraus; diese Geschwindigkeit ist unser "Grundtempo", gleichgültig, ob es halbe, Viertel- oder Sechzehntel-Noten sind. Entsprechend bewerten wir den "Gefühlsgehalt" des Stückes.

Dazu gleich ein paar Proben. Hörbeispiel 1 ist das einleitende Andante des 1. Satzes aus dem Streichquartett KV 465 von Mozart. Die Grundeinheit ist hier die Achtelnote, und pro Minute werden 80 davon gespielt. Das entspricht ist etwa unserem Ruhepuls, daher empfinden wir das Stück als ruhig und getragen.

Hörbeispiel 2 ist nur ein paar Takte ( 23 - 30 ) vom Beispiel 1 entfernt - wieder sind die Achtelnoten das metrische Grundgerüst, aber diesmal sind es 240 pro Minute. Entsprechend ist der Eindruck: schnell, beweglich, durch die Dur-Tonart fröhlich-optimistisch.

Hörbeispiel 3 treibt es auf die Spitze: die tonangebenden Sechzehntelnoten prasseln pro Minute 480 mal auf den Hörer ein!! Das sind glatt acht Noten pro Sekunde! Folglich hat das Stück atemberaubendes ( sic! ), halsbrecherisches ( sic! ) Tempo. Es stammt aus dem 4. Satz des Streichquartettes F-Dur, KV 590.