Handhaltung beim Spielen, zweiter Teil

Fionn:

Ein paar Worte und Fotos zum Thema "Koordination von Hand und Fingern". Vieles von dem, was ich hier erzähle, verdanke ich den Gesprächen mit Christoph Pampuch, seines Zeichens begnadeter Harfenspieler und ebensolcher -lehrer.

Wie ihr leicht nachvollziehen könnt, ist der Abstand von der tiefsten zur höchsten Saite einer Harfe wesentlich größer als eure Handspanne ( es sei denn, ihr spielt auf einem gestimmten Eierschneider ). Es ist somit unmöglich, mit den Fingern einer Hand jede der Saiten zu erreichen, ohne die Hand zu bewegen.

Das führt dazu, daß es beim Harfespiel zwei grundsätzlich unterschiedliche Bewegungen von Hand und Finger gibt:

- Die "Kleine Bewegung"
Hier bewegt sich die Hand nicht vom Fleck, sondern dreht sich allenfalls, um den Fingern leichteren Zugang zur Saite zu geben. Das klappt immer dann, wenn die zu spielenden Saiten innerhalb der Spanne der Hand liegen; diese Spanne ist etwa eine Oktave. Bei der Kleinen Bewegung kann die Spielhand Halt am Klangkörper finden. Dadurch wird das Spiel der Finger wesentlich exakter. Als Beispiel habe ich im Video1 "Alle meine Entchen" eingespielt; deutlich ist zu sehen, daß die Hand sich nicht von der Harfe löst. ( 16 sec, 330 kB )

- Die "Große Bewegung"
Sie ist immer vonnöten, wenn der Tonumfang eine Oktave überschreitet. Die Hand muß somit ihre Anlehnung an die Harfe aufgeben, sich nach oben oder unten bewegen und dort eine weitere Anlehnung suchen. Dadurch, daß die Hand eine Weile "in der Luft schwebt", wird das Zielen mit den Fingern erschwert. Im Video 2 seht ihr, wie meine Hand bei dem Stück "Rachel Rae" zwischendurch Sprünge vollführt ( 14 sec, 290 kB ). Für die, die es lieber klassich mögen: Handsprünge beim Thema aus "Non piu andrai" aus dem 1. Akt von "Figaros Hochzeit", KV 492 von W.A.Mozart ( 22 sec, 430 kB )

Vermeidet nach Möglichkeit, eurer Hand gar keine Anlehnung zu geben!! Fehlende Anlehnung führt meistens zu unsauberem, zu lautem oder nicht taktreinem Spiel, weil das Auge da aushelfen muß, wo die Haptik versagt.